Katrin Vogel hatte mit dreizehn schon einen Instagram-Account mit über zweitausend Followern, nur wegen ihrer Rückhand. Ich erinnere mich noch an den Geruch von Ascheplatz nach Regen im Tennisclub Grün-Weiß in Mannheim, diesen Geruch aus nassem Ton und altem Gummi, der einem noch Tage später in der Sporttasche hängt. Ich war zwölf, als mich der Landestrainer zum ersten Mal beiseite nahm und sagte, ich hätte "das gewisse Etwas". Meine Mutter hat geweint vor Stolz, mein Vater hat sofort angefangen, Trainingslager in Spanien zu recherchieren.
Ich heiße Lukas Brenner, und ich bin nie Profi geworden. Das ist keine traurige Geschichte, auch wenn sie am Anfang so klingt.
In Baden-Württemberg gibt es Tennis wie Sand am Meer, jeder Verein hat seine eigene kleine Wunderkind-Fabrik. Mit vierzehn wechselte ich zu einem größeren Leistungszentrum in Heidelberg, dreimal die Woche mit dem Zug hin, Hausaufgaben im Waggon, den Blick auf den Neckar draußen, während ich Vokabeln für die nächste Englischarbeit büffelte. Die ersten Monate war ich der Junge, der aus dem Nichts kam und plötzlich gegen Spieler gewann, die zwei Jahre älter waren. Ich habe die Pokale auf mein Fensterbrett gestellt, nebeneinander, nach Größe sortiert.
Dann kam der Punkt, an dem ich merkte: Ich bin nicht mehr der Beste im Raum. Erst war es ein Satz, den ich unerwartet verlor. Dann ein Turnier, bei dem ich in der ersten Runde ausschied. Der Abstand zu den anderen wurde nicht kleiner, er wuchs. Mit sechzehn wurde ich aus dem Kader des Leistungszentrums gestrichen, ganz nüchtern, in einem Gespräch, das keine zehn Minuten dauerte. Der Trainer hat mir die Hand gegeben und gesagt, ich solle es "auf einem anderen Level noch mal versuchen".
Ich habe mich einem kleineren Verein in Ludwigshafen angeschlossen. Die Halle roch nach Bohnerwachs statt nach Asche, die Umkleide hatte kaputte Spinde, und die Trainingszeiten waren um halb sechs morgens, weil die Halle tagsüber an Hobbyspieler vermietet wurde. Ich dachte, dort finde ich zurück in meinen Rhythmus, dass ich mich wieder hocharbeite. Es passierte nicht. Wenn dein Verein in der Kreisliga spielt, schaut dir auch kein Scout mehr zu. Man kann noch so hart schmettern, wenn niemand auf der Tribüne sitzt außer den Eltern der Gegner.
Meine letzte Karte war ein Spielervermittler, ein Mann namens Herr Wachs, den mein Vater über einen Bekannten aus Karlsruhe kannte. Zweihundertfünfzig Euro im Monat, dafür sollte er mich bei Talentsichtungen "ins Gespräch bringen". Ich habe diese Zahlungen nie gemocht. Es fühlte sich falsch an, für die Chance zu bezahlen, überhaupt gesehen zu werden. Meine Mutter hat trotzdem weiter überwiesen, jeden Ersten, von ihrem Konto bei der Sparkasse, ohne mich zu fragen, ob ich das überhaupt noch wollte.
Es gibt im deutschen Nachwuchssport eine Sache, über die kaum jemand offen spricht: wie viel Druck auf Familien lastet, die alles auf ein Kind setzen. Ich kannte Jungs aus Mannheim-Neckarstadt, deren Väter zwei Jobs hatten, nur damit der Sohn zum nächsten Trainingslager konnte, weil sie glaubten, das sei der einzige Weg aus der Sozialwohnung raus. Bei uns war das nicht so. Meine Eltern hatten ein Haus, ein geregeltes Einkommen, und als klar wurde, dass der Traum bröckelte, haben sie mir die Entscheidung selbst überlassen. Kein Druck, kein Vorwurf. Nur die Frage, was ich als Nächstes machen wolle.
Ich habe mich zuerst an der Universität Mannheim für Wirtschaftswissenschaften beworben. Der Numerus Clausus lag bei 1,3, mein Abiturschnitt bei 2,1, weil ich in der elften Klasse mehr Turniere als Klausuren im Kopf hatte. Abgelehnt. Meine Eltern haben mich für ein Jahr nach Cork geschickt, offiziell um Englisch zu lernen, in Wahrheit wohl auch, damit ich Abstand zu den Tennisplätzen bekam, an denen ich jeden Vormittag vorbeigefahren wäre. Von dort aus habe ich mich in Rotterdam beworben, Bachelor in Business Administration, später Master an derselben Universität. Ich habe in beiden Jahren nie wieder einen Schläger angefasst, bis auf einmal, an einem Sonntag im Studentenwohnheim, als ein Kumpel aus Belgien mich zu einem Freizeitmatch überredete. Ich habe verloren, gegen jemanden, der Tennis nur aus dem Fernsehen kannte. Ich habe gelacht, zum ersten Mal seit Jahren ohne dieses Ziehen im Magen danach.
Diesen Traum so jung zu verlieren war hart. Es hat wehgetan, in einer Weise, die niemand versteht, der nie in einer Umkleidekabine saß und wusste, dass sein Name nicht mehr auf der Aufstellung steht. Aber genau das hat mich auf das echte Leben vorbereitet, mehr als jedes Seminar zu Betriebswirtschaft. Zwei Jungs, gegen die ich früher in der Bundesliga der Junioren gespielt habe, stehen heute im deutschen Davis-Cup-Kader. Ich sehe ihre Namen manchmal in der Zeitung und spüre keinen Neid mehr, nur so etwas wie Respekt aus der Ferne.
Tennis in diesem Alter war nie nur der Weg nach oben. Es hat mir Disziplin beigebracht, wie man verliert, ohne aufzugeben, wie man um halb sechs Uhr morgens aufsteht, wenn es draußen noch dunkel ist und der Bus zur Halle in zwanzig Minuten kommt. Diese Lektionen bleiben, ein Leben lang.
Vor drei Wochen habe ich meine Mutter besucht, in dem alten Haus in Mannheim-Feudenheim. Die Pokale standen immer noch auf dem Fensterbrett, verstaubt, in derselben Reihenfolge wie vor zwölf Jahren. Ich habe eine Kiste aus dem Keller geholt, die Vertragsordner von Herrn Wachs, drei Jahre Zahlungsbelege, insgesamt neuntausend Euro, die meine Mutter überwiesen hatte, ohne dass jemals ein Verein mich abgeworben hätte. Ich habe die Ordner nicht wütend durchgeblättert. Ich habe sie einfach genommen, bin zur Bank gefahren und habe den Dauerauftrag, den meine Mutter aus Gewohnheit nie gekündigt hatte, endlich stornieren lassen, sechs Jahre nachdem ich aufgehört hatte zu spielen. Die Bankangestellte hat kurz gestutzt, als sie das Datum der letzten Buchung sah, und gefragt, ob das wirklich noch laufen sollte. Ich habe nur gesagt: nein, das war lange überfällig.
Meine Mutter hat, als ich es ihr erzählte, nichts gesagt außer: "Ach, das lief noch?" Und dann hat sie den Wasserkocher angestellt, wie an jedem anderen Nachmittag auch.
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